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Bailey und Harit – Entdeckungen der Bundesligasaison 2017/18

​Leon Bailey 

Der 1997 geborene Jamaikaner kam zur Winterpause der Saison 2016/17 vom belgischen KRC Genk zum Bundesligisten aus Leverkusen. Seitdem raubt er Woche für Woche den Zuschauern den Atem. Der pfeilschnelle Linksaußen bestätigt seine regelmäßig starken Auftritte auch in der aktuellen Saisonstatistik. In bisher 32 Spielen in Liga und Pokal erzielte er 12 Tore und bereitete weitere 6 vor. Neben seiner Schnelligkeit ist das junge Talent bekannt für seine Dribbelstärke, im Eins-gegen-Eins ist er kaum zu verteidigen. Diese Stärken kommen besonders gut im 4-2-3-1 von Leverkusens Trainer Heiko Herrlich zum Tragen, wo der Jamaikaner meistens die linke Außenbahn einer hochinteressanten Dreierreihe um Havertz und Brandt bekleidet. Auch mit Linksverteidiger Wendell harmoniert er gut, was zu sehenswerten Kombinationen führt. Herrlich hält aber nicht stur an diesem System fest. Zu Beginn der Saison ließ er auch im 3-4-3 spielen, in dem Bailey allerdings als linker Flügelspieler seiner Stärken beraubt wurde. Defensiv schlägt er sich in dieser Rolle nicht schlecht, aber als Offensivspieler wäre er in der vordersten Angriffsreihe deutlich effizienter. Das könnte auch einer der Hauptgründe für einen Wechsel zum 4-2-3-1 gewesen sein: Herrlich kann somit seinem besten Spieler die optimale Entfaltung ermöglichen. Zeitweise kommt Bailey auch über die rechte Seite, von wo er in Robben-Manier in die Mitte ziehen kann, um dann mit seinem linken Fuß zum Abschluss zu kommen.    

Bailey gilt als die Entdeckung der Saison schlechthin. Mittel- und langfristig scheint ein Wechsel in die Premier-League nicht unwahrscheinlich, wo der Außenstürmer auch keine sprachlichen Probleme hätte. Zudem liebäugelt Bailey auch damit, für die englische Nationalmannschaft aufzulaufen, hat er sich doch mit dem jamaikanischen Verband zerstritten. Momentan käme ein Wechsel wohl noch zu früh, und sollte Leverkusen die Champions League erreichen, wovon ausgehen ist, hätte Bailey erstmal einen Anreiz beim Werksclub zu bleiben und sich auf internationaler Bühne zu präsentieren. Obwohl er einen feinen linken Fuß hat und auch gefühlvolle Freistöße schießen kann, ist sein Abschluss insgesamt ausbaufähig, hat man doch das Gefühl, dass ihm vor allem schwierigere Tore leichter fallen als Abschlüsse aus aussichtsreichen Positionen. Zudem reizt er seine Dribbelstärke oft zu sehr aus und zeigt sich dadurch als zu egoistisch. Allerdings darf man nicht vergessen, dass er mit erst 20 Jahren noch genug Zeit hat, sich hier zu verbessern. 

Unsere Prognose: im aktuellen Angriffsspiel der Leverkusener ist Bailey eine absolute Bereicherung. Er erfüllt nicht nur ästhetische Ansprüche, sondern bringt durch seine Raffinesse auch das im deutschen Fußball oft mangelnde Überraschungsmoment und ist der Spieler, der den Unterschied ausmachen kann. Eine objektivere Bewertung seiner Auftritte in der kommenden Champions League Saison könnte ein umfangreicheres Bild schaffen. Bevor er daher auf die Insel bei einem englischen mittelmäßigen Verein glänzt, sollte er sich im ruhigen Umfeld in Leverkusen entwickeln, an seinen Schwächen arbeiten und kann dann mit der nötigen gewonnen Erfahrung  getrost den Schritt Richtung Spitzenklub im Ausland wagen.   ​ ​ Amine Harit 


Unser persönlicher Favorit auf den Titel "Bundesligaentdeckung der Saison 2017/18". Ein Spieler für den man ins Stadion geht. Ein Spieler, der Liebhaber ins Schwärmen bringt. Selber Jahrgang wie Leon Bailey, aber unterschiedlicher Spielertyp. Der marokkanische Nationalspieler kam vor der Saison vom französischen FC Nantes zum FC Schalke 04. Dort ist er vielleicht neben dem ewig junggebliebenen Abwehrchef Naldo und Caligiuri der konstanteste Spieler. Mit Domenico Tedesco kam diesen Sommer ein junger, erfolgshungriger Trainer der mit einer Dreierkette agieren lässt. Im 3-4-3 wird Harit als rechter Halbstürmer eingesetzt. Verständlich, aufgrund seines Antritts und seiner Dribbelstärke. Allerdings kann er dort nur einen Teil seiner Stärken ausspielen. Seine volle Stärke entfaltet sich als dynamischer Achter im 3-5-2. Harit kann sich auf engstem Raum sehr gut behaupten. Dies liegt einerseits an seiner Wendigkeit, anderseits verfügt er auch über einen ausgesprochen guten ersten Kontakt, der ihm oft den Platz schafft, Gegner ins Leere laufen lässt, und ihm das Durchbrechen von gegnerischen Linien ermöglicht. Zudem besitzt er eine gute Übersicht und kann das Spiel lenken. Beim Pressing seiner Schalker ist er trotz seiner schlanken Statur bissig im Zweikampf, seine Spielintelligenz hilft ihm hierbei die richtigen Positionen zu finden, was im 3-5-2 nicht immer ganz einfach ist. Seine Einstellung scheint auch zu stimmen, hatte er im Derby gegen Dortmund maßgeblichen Anteil an der irren Aufholjagd von 0-4 auf 4-4. Dabei zeigte er Stärke und spielte -obwohl verletzt- bis zum Ende durch, da die Schalker ihr Wechselkontingent bereits ausgeschöpft hatten. In den bisher 33 Pflichtspielen der Saison brachte es der Marokkaner auf 3 Tore und 7 Assists, eine beachtliche Statistik aufgrund der oft defensiven Spielweise der Königsblauen. Dennoch wird hier eine Schwäche deutlich: einen Torinstinkt besitzt er nicht, eine Schwäche, an der er arbeiten muss, um den nächsten Schritt in seiner Entwicklung zu gehen. Ebenso hat er manchmal Probleme bei der Entscheidungsfindung, spielt hin und wieder schlampige und unintelligente Pässe beim Spielaufbau und im Positionsspiel. Aufgrund seiner erst 20 Jahre besteht hier jedoch womöglich noch am meisten Potenzial. Wie bei Bailey wäre es sicher schön Harit in der Champions League zu sehen, was sehr wahrscheinlich ist. 

Unsere Prognose: Harit bringt alles mit, was ein moderner Achter braucht. Er vereint die Fähigkeiten eines Straßenfußballers mit Intelligenz und Disziplin. Körperlich müsste er noch zulegen. Für seine Entwicklung wäre regelmäßige Spielpraxis wichtig. Diese hat er momentan bei den Schalkern wo er sich in der nächsten Saison in der Champions League auf internationaler Bühne präsentieren kann. Langfristig sehen wir ihn bei einem großen Verein als Stammspieler, falls er einen Trainer hat, der wie Tedesco auf ihn setzt. Auf jeden Fall würde er es mit starken Leistungen zurückzahlen und uns Fußballfans noch viel Freude auf dem Spielfeld bringen.   ​ #whatif 




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